2. Januar, 7 Uhr
Ich sitze im Flugzeug nach Paris und will, wie fast immer auf solchen Reisen mein Tagebuch beginnen. Es fällt mir schwer diesmal, sehr schwer. Seit drei oder vier Tagen muss ich mich zwingen, fröhlich zu sein. Ausgerechnet bei der Feier in der Silvesternacht habe ich Ingrid endlich gesagt , wie ich mich fühle.
Es ist mein achter Besuch im Irak. Doch diesmal hat mich der Mut verlassen, und die Angst wird immer grösser, zumal wir in auch in die Kriegprovinz Diyala fahren werden und am Plan, nach Bagdad zu kommen, noch immer festhalten. Vor zwei Tagen ist Saddam Hussein in einem schrecklichen Schauspiel getötet worden.
Aber ohnehin wurde die Situation im Irak von Monat zu Monat schlimmer. Natürlich kann ich mir sagen, Mensch, sei nicht sentimental, spiel dich nicht auf. Ich weiß, dass Abdullah Aljubori, den ich seit 2003 kenne, alles für unsere Sicherheit tun wird, dass wir in den besten Händen sein werden.
Meine Gefühle hören jedoch nicht auf meinen Kopf. Und dass ich eine Woche Urlaub, eine der ohnehin wenigen freien Wochen mit Ingrid und Saira verliere, macht mich zusätzlich traurig. Einen anderen Termin haben mein portugiesischer Kollege Paulo Casaca und ich nicht gefunden.
Kinder einer Frankfurter Grundschule schreiben die jeweils neuen und alten Schreibweisen von Wörtern an eine Tafel. Die unstrittigen Teile der Rechtschreibreform werden von 14 der 16 Bundesländer wie geplant am 1. August 2005 in Schulen und Behörden verbindlich eingeführt. Damit sind Bayern und Nordrhein-Westfalen die einzigen Bundesländer, die die Verbindlichkeit der 1998 eingeführten Reform verschieben und an der bisherigen Übergangsregelung festhalte
Text 2
ULM/NEU-ULM/DPA.Wenn Andreas Kummert zu Hause ist, darf er «Fluß» statt «Fluss» schreiben. Geht er in die Schule, bekommt er dafür einen Fehler. Den Überblick über neue und alte Rechtschreibung hat der Elftklässler längst verloren: «Hier hat doch keiner mehr eine Ahnung», winkt er ab. Andreas steht auf dem Pausenhof eines Ulmer Gymnasiums in Baden-Württemberg. Doch er wohnt einen Katzensprung weiter im bayerischen Neu-Ulm. Die beiden Städte trennt nicht nur die Donau, sondern bald auch die deutsche Rechtschreibung.
Text 3
Während Politiker noch über Sinn und Unsinn der Reform diskutieren, kichern die Schüler schon, wenn das Wort Reform fällt. «Blöd», «peinlich» und «lächerlich» glucksen sie in sich hinein. Sie verstehen nicht, warum sie weniger Meter weiter anders schreiben dürfen, als sie es in der Schule lernen. «Das ist doch ungerecht, wir kriegen jetzt viel mehr Fehler als die in Neu-Ulm», ärgert sich ein Mädchen aus der zwölften Klasse. Eine Freundin fügt hinzu: «Was ist, wenn sich die Bayern jetzt in Baden-Württemberg bewerben und lauter Fehler machen?»