Wolf Biermanns veröffentlicht ein neues Buch „Heimat“
© Die Berliner Literaturkritik, 13.12.06
In dem 175 Seiten starken Band befinden sich mehrere französische Poeme. Das heißt, sie haben französischsprachige Titel oder handeln von französischen Sujets (beispielsweise dem Chansonsänger George Brassens). Biermann selbst erzählt von den Einflüssen der Troubadoure . In den Texten beschreibt er, wie er ihre Tradition fortführt. Das Südfrankreich der Troubadoure könnte deswegen als eine Heimat Biermanns interpretiert werden.
Zweite Heimat Israel
Als zweite Heimat Biermanns ließe sich Israel deuten. „Mishkenot Sha´ananim in Erez Israel“ oder „Abrahams Söhne“ sind zwei andere Titel , die direkt auf Wolf Biermann, der jüdische Eltern hatte, anspielen. Die behandelten Themen sind dabei nicht unbedingt religiöser Natur: Hier erzählt Wolf Biermann von der Religion, der Geschichte aber auch von seinem eigenen Leben.
Der „preußische Ikarus“
Neben der jüdischen und französischen Heimat existiert für Biermann noch eine dritte : Deutschland. Dabei bleibt unklar, ob er nun das vereinigte oder das geteilte Deutschland meint. Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust, denn beide Varianten beschäftigen ihn noch immer. Die alten Zeiten lassen Biermann nicht los. Mit anderen Titeln „Heimat. Neue Gedichte“ erzählt er von seiner Freundschaft mit dem vorherigen Dichterfreund Stefan Heym oder richtet sich gegen Stasi-Chef Mielke . Doch er beschreibt auch die Natur und erinnert an Bertolt Brecht. Die deutsche Heimat findet der Dichter nicht nur in der Geschichte, sondern auch in Wort und Schrift.
Die Leser, denen Worte nicht genug sind, können in Wolf Biermanns Buch gleich die Noten der Lieder entdecken. Hier kommt der Troubadour im Biermann wieder durch. Er schreibt und singt über den „Heimathunger“. Ob dieser Hunger beruhigt werden kann, muss wohl jeder Leser für sich selbst wissen.
Nach Stephanie Tölle
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