Gruppenarbeit : 4 Gedichte analysieren und vorstellen

19 12 2009

HIER UND DORT Eva liest das Gedicht vor.

I. hier freiheit                                                                  II. hier gleichheit

dort knechtschaft                                                            dort ausbeutung

hier wohlstand                                                                 hier aufbau

dort armut                                                                       dort zerfall

hier friedfertigkeit                                                           hier friedensheer

dort kriegslüsternheit                                                       dort kreigstreiber

hier liebe                                                                         hier leben

dort haß                                                                           dort tod

dort satan                                                                        dort böse

hier gott                                                                           hier gut

III. jenseits von hier

fernab von dort

und

such ich mit

‚ nen fetzen land

wo ich mich ansiedle

ohne feste begriffe

Günter Wallraff, geb. 1942, in Deutsche Teilung


SIEBZEHNJÄHRIG

wir sind jung

die Welt ist offen

(lesebuchlied)

Horizont aus schlagbäumen

Verboten

der Grenzübertritt am bildschirm ein bild

von der Welt sich zu machen es lebe

das weltbild

Bis ans ende der jugend

Und dann ?

1972, Reiner KUNZE, Zimmerlautstärke


Der Blinde an der Mauer  Mathilde liest das Gedicht vor.

Ohne Hoffnung, ohne Trauer
Hält er seinen Kopf gesenkt.
Müde hockt er auf der Mauer.
Müde sitzt er da und denkt:

Wunder werden nicht geschehen.
Alles bleibt so, wie es war.
Wer nichts sieht, wird nicht gesehen.
Wer nichts sieht, ist unsichtbar.

Schritte kommen, Schritte gehen.
Was das wohl für Menschen sind?
Warum bleibt denn niemand stehen?
Ich bin blind, und ihr seid blind.

Euer Herz schickt keine Grüße
aus der Seele ins Gesicht.
Hörte ich nicht eure Füße,
dächte ich, es gibt euch nicht.

Tretet näher! Lasst euch nieder,
bis ihr ahnt was Blindheit ist.
Senkt den Kopf, und senkt die Lider,
bis ihr, was euch fremd war, wisst.

Und nun geht! Ihr habt ja Eile!
Tut, als wäre nichts geschehen.
Aber merkt euch diese Zeile:
« Wer nichts sieht, wird nicht gesehen. »

Erstdruck am 20.9.1931 in der Neuen Leipziger Zeitung

Erich Kaestner (1899-1974) Quelle : http://www.sternenfall.de/Kaestner–Der_Blinde_an_der_Mauer.html

« Die Mauer » (Nina liest das Gedicht vor)

Ich stehe vor der Mauer. Ich versuche, die Mauer Stück für Stück abzureißen.
Die Mauer aber steht immer noch so,
wie sie schon immer so stand.

Ratlos stehe ich vor der Mauer,
ich weiß nicht,
wie ich rüber gelangen kann.

Die Mauer überklettern? Die Mauer ist zu hoch.

Ich denke immer:
Wie soll ich die Mauer bekämpfen?

Es gibt da nur einen Weg, nämlich:
Die Mauer als ein Stück von sich zu betrachten und
damit zu leben.

Judith Göller

Quelle : http://www.gehoerlosblog.de/allgemein/gedicht-die-mauer.htm

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