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« Der Unbekannte » von Joseph von Eichendorff, 1837 – Erschließung

Hinweis: Dieser Text stellt eine mögliche Erschließung des Gedichts „Der Unbekannte“ von Joseph von Eichendorff dar. Strukturell ist auch ein anderer Aufbau denkbar sowie inhaltlich andere Schwerpunktsetzungen möglich erscheinen.

(Mögliche Einleitung)       „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, /Den schickt er in die weite Welt, /Dem will er seine Wunder weisen / In Berg und Wald und Strom und Feld.“ So dichtet Joseph von Eichendorff und legt der Hauptfigur in seiner Novelle „Der Taugenichts“ diese Worte als gesungenes Lied in den Mund. Vertont wird der Eichendorffsche Text später von Theodor Fröhlich. Das Lied gilt heute als Volkslied, wenn man es singt, denkt man nicht unbedingt an den Dichter der Romantik aus dem oberschlesischen Lubowitz. Auf Wanderschaft geht nicht nur der „Taugenichts“ – in den Augen der ihn umgebenden Gesellschaft gilt er als ein solcher, da er von Zuhause weggeht anstatt ein Handwerk zu erlernen und einem geregelten Broterwerb nachzugehen -, weil er Italien sehen, die Welt und die Natur entdecken sowie sich erfahren will, sondern auch „Der Unbekannte“ aus dem vorliegenden gleichnamigen Gedicht von Eichendorff aus dem Jahre 1837. Wandern ins Blaue – vielleicht die Lieblingsbeschäftigung der Romantiker, die von Sehnsucht getrieben und auf der Suche nach dem Sinn nicht zur Ruhe kommen. Denn hätten sie sich niedergelassen und erklärt, am Ziel angekommen zu sein, so hätten sie die romantische Existenz verleugnet. „Der Wanderer ist (…) die Personifizierung romantischer Sehnsucht nach dem Unendlichen“ – so Christiane Krautscheidt (aus „Und jeder Schritt des Wandrers ist bedenklich. Eine Wanderung durch die Motivgeschichte.“ (1997).

(Beginn des Hauptteils: Hinführung zum Thema und Benennung des Arbeitsauftrags)         „Der Unbekannte“ aus dem ebenso benannten Gedicht erinnert stark an den „Taugenichts“ aus der gleichnamigen Novelle – man hat fast den Eindruck, dass dies Gedicht die Handlung der Novelle in kondensierter Form wiedergibt. Es bestehen jedoch auch intertextuelle Bezüge zu anderen Gedichten von Eichendorff. „So sternklar war die Nacht“ (Zeile 8 aus dem Gedicht „Die Mondnacht“ von Eichendorff, 1835) fällt einem sofort bei der Lektüre von Vers 36 des vorliegenden Gedichts auf: „So sternklar war noch keine Nacht wie diese.“ Hat der Dichter keine neuen Ideen? Verwendet er immer dieselben Reime? Oder sind es bestimmte Gedanken, die ihn immer wieder umtreiben und die er daher dem potentiellen Leser wiederholt und doch immer wieder unter anderen Vorzeichen nahe legen möchte? Bei der Erschließung dieses Gedichts erscheint es mir sehr wichtig, den literaturgeschichtlichen Hintergrund sowie das damit in Zusammenhang stehende Motiv des Wanderns zu beleuchten.

 (Inhalt)        Das Gedicht beginnt mit einer Abendidylle in den Bergen (V.1-4). So wie es in der Novelle „Der Taugenichts“ nicht ein einziges Mal regnet, ist auch hier die Natur friedlich und schön. Die Wälder rauschen übrigens auch in der „Mondnacht“ (dort Vers 7 und hier V.4). In V.5 wird der Unbekannte als Wanderer eingeführt. Wir erfahren, dass er „aus fernen Landen“ (V.6) zu kommen scheint. Ein junges Ehepaar mit Kind lädt ihn zu sich zum Essen ein (V.7-12). Die junge Frau hat offenbar ein gewisses Interesse an dem Fremden (V.12). Sie ist von ihm fasziniert, empfindet aber auch ein Grauen (V.17-18) angesichts seiner. Geheimnisvoll wirkt es, dass der Fremde meint, das Dorf zu kennen, ihm aber alles fremd erscheint (V.13-14). Wo liegt die Wahrheit? Was war tatsächlich und was ist nur Einbildung? Zwischen diesen beiden Polen lässt der Dichter den Leser schweben. Auch die folgende Landschaftsschilderung (V.19-24) ist sowohl Reisebericht (der „ Berg Vesuv“ in V. 20 als konkrete Ortsangabe) als auch die Darstellung irrealer Landschaften (vgl. die „Glocken, die im Meeresgrunde schlagen“ eventuell als Anspielung auf die in der Ostsee versunkene sagenhafte Stadt Vineta). Ich glaube, dass dieses Offenlassen dessen, was eigentlich war oder nicht war, prägend für das Gedicht sowie die Romantik allgemein ist. Die Nennung der Ortsangabe ist für mich ein Anklang an den „Taugenichts“, der ebenfalls nach Italien wandert (Italien ist für die Romantiker vielfach ein verklärtes Sehnsuchtsland), am Ende des Buches bzw. seiner Reise wieder zuhause eintrifft. Im nächsten Abschnitt (V.25-30) tritt erneut der junge Mann auf (er hatte in V. 8 den Wanderer zum Abendessen eingeladen) und schlägt dem Unbekannten vor, in dem Dorf sesshaft zu werden. Der hier angedeutete Lebensentwurf entspricht dem des ersten Gesellen aus Eichendorffs Gedicht „Die beiden Gesellen“. Doch wie der zweite Geselle in dem Gedicht lehnt der Unbekannte diesen Vorschlag ab, er möchte nach Hause. Wenn er wirklich in Italien war, so möchte er nach Deutschland bzw. Schlesien oder Österreich-Ungarn (Eichendorff stammte aus einem Teil Schlesiens, der zu seiner Lebenszeit zu Preußen gehörte, vorher aber bei Österreich-Ungarn gewesen war. Der katholische Eichendorff aus dem katholischen Schlesien hatte es als Beamter im protestantischen Preußen nicht zuletzt aufgrund dieses religiösen Gegensatzes nicht immer einfach). Das Gedicht bricht hier ab und endet mit einer idealisierten Naturdarstellung. Der Unbekannte scheint in die Nacht hinein nach Hause aufzubrechen. Der Leser kann annehmen, dass die Hauptfigur des Gedichts durch die Wanderung um Vieles reicher geworden wie der Taugenichts nach Hause zurückkehrt. Wobei der Heimkehrende aufgrund der Erfahrungen und Erlebnisse nicht mehr der ist, der einst aufbrach, sondern vielmehr eine reifere, gewandelte Persönlichkeit.

(Sprache und Stil)          Betrachtet man nun in syntaktischer Hinsicht die Strophen, die dem Unbekannten gewidmet sind (Strophe III, IV, VI) und in denen wir seine Gedanken, Gefühle, Stimmungen und Assoziationen erfahren, so fällt auf, dass diese einen komplexeren, hypotaktischen Satzbau aufweisen. Der Romantiker wird so als vielschichtiger, komplizierter, zerrissener  und sowohl das Reelle wie auch das Unsichtbare bzw. Imaginäre exakt darstellen wollend gezeigt. Syntaktisch heben sich davon die Strophen I, II und V ab, die das Leben des Volkes in dem Bergdorf und das junge Paar, das dem Gast ein Abendessen anbietet, inhaltlich umfassen. Der schlichte parataktische Satzbau, der viele Aufzählungen enthält, bildet die Einfachheit der beiden ab. Vor allem der Gedankengang des Mannes (Strophe V) ist schlicht und schnell nachvollziehbar. Er strebt nicht nach einem fernen Ziel oder gar der Unendlichkeit zu, sondern begnügt sich mit dem beschaulich erscheinenden Leben in seinem Bergdorf. Die zahlreichen attributiven Adjektive, die der Dichter dem Mann in den Mund legt („eig’nen Herd“, „kleines Gärtchen“, V.28, „reiche Truhen“, V.29) bzw. die er verwendet, um die Situation des Mannes zu beschreiben („unter blüh’nden Lauben“, V.7, „zum fröhlichen Rasten“, V.8), wirken fast zu blumig und dadurch nicht ganz überzeugend. Insbesondere der mit dem Adjektiv „klein“ gepaarte Diminutiv in „Gärtchen“ (V.29) offenbart die Beschränktheit der Philisterexistenz. Dass viele Eichendorff-Gedichte über ähnliche Dinge sprechen und auch sprachlich auf dieselben Phänomene zurückgreifen, wird klar, wenn wir an das Gedicht „Die zwei Gesellen“ denken, in dessen dritter Strophe das Leben eines Philister mit Verniedlichungen wie „Bübchen“ und „Stübchen“ beschrieben wird, die auch in diesem Gedicht die Enge dieses Lebensentwurfes aufzeigen.

Schaut man die erste und die letzte Strophe an, so stellt man fest, dass diese eine Art Kreis um das Gedicht bilden. „Abendglocken klangen“ (V.1), „Wiesen“ (V.3), „Wandrer“ (V.5) und „fernen Landen“ (V.6) stehen „himmlisch Klingen“ (V.35), „Waldeswiese“ (V.35), „Wandrer“ (V.31) und „ über’m stillen Land“ (V.32) sowie „Heimatland“ (V.33) und „liegt ferne“ (V.33) gegenüber. Diese Kreisstruktur erinnert an den Taugenichts, der am Ende der Novelle wieder zuhause ankommt. Es ist also einerseits dasselbe, andererseits aber auch wieder nicht, weil der Mensch sich durch die Wanderschaft – d.h. die Suche – geändert hat. Dies scheint auch auf den Unbekannten zuzutreffen. Die Wiederaufnahme der Wörter und damit der Bilder aus der ersten Strophe zeigt, dass ein Kreis geschlossen wird, etwas sich wiederholt, deutet aber auch durch die Variation eine Weiterentwicklung an. In der ersten Strophe kommt der Wanderer an (Vers 5), vielleicht erwägt er sogar zu bleiben, in Vers 31 steht er auf und wendet sich von den Gastgebern ab. Getrieben von Sehnsucht nach der Heimat (d.h. Gott, einer Transzendenzerfahrung oder der realen unerreichbaren Heimat) weiß der Unbekannte, dass er auf dem Weg zu sich selbst weiterwandern muss. Daher ist sein Abwenden eine bewusste Entscheidung, deren Richtigkeit er sich selbst bestätigt, indem er sich sagt, dass noch keine Nacht so sternklar wie diese gewesen sei (Vers 36).  Damit toppt er das „So sternklar war noch keine Nacht“ aus der „Mondnacht“ (dort Vers 8).

Ein lyrisches Ich tritt in diesem Gedicht nicht auf. Der Wanderer ist die geheimnisvolle Person, die den Romantiker repräsentiert. Die ihm gewidmeten Strophen zeigen, dass er stets auf der Suche ist und sich bewusst für diesen Lebensentwurf entschieden hat (siehe letzte Strophe und die obigen Bemerkungen dazu). Dass diese Lebensweise jedoch auch Gefahren birgt, wird durch die durch das Wort „Meeresgrund“ (V.23) dargestellte Abwärtsbewegung ausgedrückt (vgl. auch das Gedicht „Lockung“ von Eichendorff). Der Wanderer erzählt von dem, was er gesehen hat und fasziniert damit insbesondere die junge Frau. Hier fühlt man sich an Novalis’ „Heinrich von Ofterdingen“ erinnert, der ebenfalls einen Reisenden trifft, von dessen Erzählungen begeistert und im Innersten angerührt ist und sich selbst in der Folge auf den Weg begibt. Auch wenn die junge Frau sicherlich weder ihren Mann noch ihr Dorf verlassen wird, so hat sie doch aufgrund der Worte des Unbekannten die Banalität ihrer Existenz erkannt und für kurze Zeit zumindest erwacht in ihr der Wunsch nach Transzendenz, der ihr allerdings sogleich auch Angst macht (V.15-18). In V.15-18 stellt die junge Frau den Gast aus ihrer Perspektive dar, sie verwendet dabei Satzgefüge, verlässt also für einen Moment die schlichte Welt ihres Mannes und begibt sich in das zauberhafte und komplizierte Reich des Fremden.   

 (Aufbau)                Mit seinen sechs jeweils sechszeiligen Strophen im fünfhebigen Jambus und dem Kreuzreim in den je ersten vier Zeilen und dem Paarreim in den letzten beiden Zeilen wirkt das Gedicht volksliedartig und steht damit ganz in der Tradition der Romantik. Die Romantiker verehrten Volkslieder ebenso wie Volksmärchen. Das Volk wurde aufgrund der ihm zugeeigneten Authentizität bewundert, Märchen und Lieder als Dokumente des Volkes und deutscher Kultur und Geschichte gesammelt (vgl. die Gebrüder Grimm als Märchensammler, Achim von Arnim und Clemens Brentano als Herausgeber des dreibändigen Liederbuches „Des Knaben Wunderhorn“).

 (Motive)                   Dem Volk begegnen wir nicht nur über die Gedichtform, sondern auch im Rahmen des Gedichts selbst (vgl. Inhalt).  Schließlich macht der Unbekannte in einem Bergdorf Rast und hat mit den Bewohnern dort zu tun. Auch wenn diese, vor allem der Ehemann des Gastgeberehepaars, für den von den Romantikern als philisterhaft verachteten Lebensentwurf stehen, so werden sie dennoch idealisiert beschrieben. Von Armut oder Not, die in einem solchen abgeschnittenen Bergdorf sicherlich im 19. Jahrhundert herrschten, ist dem Gedicht nichts zu entnehmen. Ein weiteres typisch romantisches Motiv, das dies Gedicht darstellt, ist das Wandern. Der Unbekannte, die Titelfigur des Gedichts, trägt keinen Namen, er ist auf der Suche, nach sich selbst, nach dem richtigen Lebensweg, nach dem Sinn. Der Romantiker ist per definitione auf dem Weg, wandert ohne Ziel durchs Leben, getrieben von Sehnsucht. Das Wandern ist äußerer Ausdruck der inneren Sehnsucht. Das Wandern in der Natur spiegelt den Weg des Ichs nach Innen und stellt gleichzeitig die romantische Sehnsucht nach dem Unendlichen dar (vgl. auch Krautscheidt Z.3-4). Da das Unendliche aber nicht erreichbar ist, bleibt die Sehnsucht und sie ist es, die die romantische Existenz ausmacht. Der Unbekannte ist also ein Romantiker par excellence. Eichendorff schuf mit der Titelfigur dieses Gedichts einen Vertreter der Epoche, der er aufgrund seiner Texte zugeordnet werden kann. Ein anderes Motiv, das in Eichendorffs Gedichten immer wieder auftaucht, ist das der Heimat. In der dritten und letzten Strophe von „Mondnacht“ spannt die Seele des lyrischen Ichs „weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, /Als flöge sie nach Haus.“ (Mondnacht, V.10-12). Der Konjunktiv in dem so im Irrealen belassenen Satz deutet in der „Mondnacht“ an, dass die Seele des lyrischen Ichs nach Hause fliegt. Ob das Zuhause Gott, das heimatliche Lubowitz oder ein anderer Ort ist, bleibt offen. Durch die Naturerfahrung in der Mondnacht gelingt dem lyrischen Ich vielleicht die Verschmelzung mit Gott. Auch der Unbekannte sehnt sich nach seinem Heimatland. Für den religiösen Eichendorff könnte dies durchaus bei Gott liegen. Gott als erstrebte Transzendenzerfahrung. Vielleicht meint er aber auch das heimatliche Lubowitz, an dem er sehr hing und das dem Familienbesitz aufgrund der Misswirtschaft des Vaters verloren ging, oder Deutschland ganz allgemein.

 (Deutung)       « Die Trägen die zu Hause liegen, / Erquicket nicht das Morgenrot, / Sie wissen nur von Kinderwiegen, / Von Sorgen, Last und Not um Brot“, so lässt Eichendorff den Taugenichts in der zweiten Strophe von „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ singen. Ebenso wie der Unbekannte weist der Taugenichts das Leben der Philister von sich, nachdem er es reflektiert hat. Dem bodenständigen Menschen, der nicht seinen Sehnsüchten nachgeht, gehen Erfahrungen verloren. Er begibt sich nicht auf dem Weg zum eigenen Ich. Der Unbekannte entscheidet sich bewusst für die Wanderschaft, auch wenn diese kein sicheres Ziel hat und keine gesicherte Existenz bietet. Eichendorff stellt in seinem Gedicht die beiden Lebensentwürfe vor und bewertet sie. Er verschweigt dabei nicht die Gefahren der ewigen Suche (allerdings meine ich, dass diese etwa in dem Gedicht „Lockung“ wesentlich deutlicher als in „Der Unbekannte“ dargestellt sind) – denn ist es sicher, dass der Romantiker je ankommt? Doch die Suche bzw. die Wanderschaft selbst ist das Ziel für ihn. Dass unsere Existenz ambivalent ist und wir beide Positionen in uns bergen, zeigt der Dichter anhand der Frau, die gegenüber dem Reisenden sowohl Faszination als auch Grauen empfindet. Der Wunsch nach Transzendenz sowie einer vollständigen Sicht auf die Welt, die sich aus dem sog. Realem und dem Irrealen zusammensetzt, wird als für den Romantiker typisch aufgezeigt. Das Überschreiten von Grenzen, der Wunsch nach Transzendenz und die Suche nach dem eigenen Ich sollte nach Eichendorff Ziel eines jeden Menschen sein. Sich auf die Wanderschaft zu begeben, dazu will er mit dem Gedicht „Der Unbekannte“ motivieren. Der Aufbruch selbst ist die Entscheidung eines Moments, Ausdruck eines Gefühls, einer Stimmung. Der Unbekannte in unserem Gedicht wendet sich bewusst ab und lehnt den Vorschlag des Gastgebers ab. Diese Emotionalität ist Verdienst der Epoche der Romantik. Der Aufbruch selbst wirkt irrational und unvernünftig, wandert die Titelfigur des Gedichts doch in die Nacht hinein los. In der Romantik geht es jedoch darum, das alleinige sich auf Verstand und Vernunft stützen in Frage zu stellen (dies kann durchaus als Kritik an der Epoche der Aufklärung verstanden werden) und die Wichtigkeit der „Nachtseite“ des Lebens zu betonen. Traum und Unterbewusstes spielen eine zentrale Rolle in dieser Epoche, ja kommen in ihr erstmals auf. So ist die Entscheidung unseres Titelhelden eine emotionale und unvernünftige. Vielleicht lernen wir uns kennen und erfahren unseren wahren Namen und die Geheimnisse des Lebens und der Welt, wenn wir in die Nacht hinein aufbrechen. Ob der Unbekannte ihn je erfahren hat, bleibt offen, denn das Gedicht bricht mit einer typisch romantischen, idealisierten Naturbetrachtung ab.

(bei der Bearbeitung der Abituraufgabe Deutsch Thema 1, 2012/2013 käme an dieser Stelle noch die Teilaufgabe b)

 (Schluss)         „Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort / Und die Welt hebt an zu singen, / triffst du nur das Zauberwort.“ Dieser Vierzeiler von Eichendorff zählt nicht nur zu seinen bekanntesten Gedichten, sondern enthält auch die Quintessenz der Romantik bzw. des Eichendorffschen Schaffens und fast pointiert zusammen, was das Gedicht „Der Unbekannte“ aussagen will: Wenn wir das Zauberwort finden, wird die Welt anheben zu singen, d.h. wir stoßen zu dem Wunderbaren vor, was die Welt und unsere Existenz ausmacht. Erreichen können wir das aber nur, wenn wir uns ohne Ziel und Weg ins Blaue hinein aufmachen. Wenn wir uns nicht auf die Suche begeben und bereit sind, dafür auf so manche Bequemlichkeit der bürgerlichen Existenz zu verzichten, so wird die blaue Blume weiterschlafen und -träumen, ohne dass wir je von ihrer Existenz etwas mitbekommen. (G. Bär)

mar, mai 28 2013 » q11_d1

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